Drei Tage Bergsteigen rund um die Trienthütte
|
|
Es gab den Plan, die Alpen mit dem Fahrrad zu durchqueren. Doch dann änderte das Wetter alles. Eine Woche Hochdruckwetter kündigt sich an, nachts ohne Regen und mit garantiert schönem Wetter in der Höhe. Das Fahrrad muss warten. Wenn sich im Juli ein solches Wetterfenster öffnet, lässt man es nicht ungenutzt verstreichen.
Auf nach Chamonix, mit dem Zug ab Paris um 6 Uhr morgens. Mit dem Bus bis ins Dorf Le Tour, mit dem Sessellift weiter, zu Fuß bis zur Albert-1er-Hütte, Paul, den Hüttenwart, begrüßen, einen Brownie mit Schlagsahne essen – und schon kommt die Lust auf, wieder draußen zu schlafen. Oberhalb der Hütte wird das Biwak aufgebaut: An diesem Abend sind einige Leute da, ein paar verstreute Zelte auf den ebenen Flächen, alle bereiten ihren Tag für den nächsten Morgen vor. Der Vollmond steigt über dem Bergmassiv auf. Gute Nacht.
Früh aufgestanden, aber nicht allzu früh. Kein Stress. Die Rucksäcke sind für drei Tage gepackt: Verpflegung, Kocher, Schlafsack, die gesamte alpinistische Ausrüstung. Das Gewicht ist beträchtlich, bleibt aber auf dem Rücken in einem vernünftigen Rahmen.
Der Grat der Table de Roc an der Aiguille du Tour ist ein Klassiker der Gegend. Heute Morgen sind auf dem Gipfel kaum noch Menschen: eine letzte Seilschaft mit ihrem Guide, der es kaum erwarten kann, wieder abzusteigen, und das war’s. Es ist selten, allein oder fast allein auf diesem Gipfel zu sein. Wir nehmen uns Zeit, den Blick schweifen zu lassen.
Es bleibt noch, das Plateau du Trient zu überqueren, um die Schweiz zu erreichen. Die Cabane du Trient liegt auf 3.170 Metern Höhe, wurde 2023 renoviert und bietet nach einem Tag im Hochgebirge genau das Richtige: des Röstis. Ausrüstung trocknen, Ordnung schaffen, Tourenführer lesen, die Route für den nächsten Tag erkunden. Die Nacht über der Hütte im Vollmondlicht ist unglaublich.
Bei Sonnenaufgang aufgestanden. Heute wird geklettert, kein Gletscher zu überqueren: Die Rucksäcke bleiben am Biwakplatz und sind leicht. Ein Abstieg zur Aiguille d'Orny, dann der Aufstieg in der Sonne über den klassischen Südgrat. Die Route ist schön und stellenweise luftig, mit einem vom Gipfel aus leicht zu findenden Abstieg, der sich von unten jedoch kaum erkennen lässt: Es ist besser, den richtigen Couloirverlauf vorher ausfindig zu machen, bevor man darunter steht.
Schnelle Rückkehr zum Biwak, dann wieder zur Cabane du Trient für Rösti. Schwer, zu widerstehen. Magische Nacht unter den Sternen.
Etwas früher aufgestanden, um die Sonne am Horizont zu erwischen. Der integrale Südgrat der Aiguille Purtscheller ist anspruchsvoller als erwartet: Der Einstieg in die Route ist viel schwieriger zu finden als gedacht. Man muss zunächst ausweichen, suchen und ein wenig improvisieren, bevor man die richtige Passage findet. Danach zieht sich der Grat lange hin, mit einigen gut anhaltenden Kletterpassagen.
Die Abfahrt über den Gletscher erfolgt im weichen Schnee am frühen Nachmittag. Die Nacht bricht am oberen Col du Tour herein. Wolken in der Ferne, kein Empfang, ein wenig Wetterstress. Letztendlich: nur Wind. Beim Aufwachen queren die ersten Alpinisten bereits das Plateau du Trient unterhalb. Das morgendliche Schauspiel von einem hoch gelegenen Biwak aus.
Und schon ist es Zeit, ins Tal hinabzusteigen. Drei Tage vergehen genauso schnell, wie sie begonnen haben. Auf geht’s zum Poco Loco – zur Abwechslung mal kein Rösti.
Auf 3.170 Metern Höhe oberhalb des Trient-Plateaus gelegen, wird die Trienthütte von der Diablerets-Sektion des Schweizer Alpen-Clubs bewirtschaftet. Nach der Renovierung im Jahr 2023 ist sie ungefähr von Anfang Juni bis Mitte September geöffnet. Sie ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren zu den Gipfeln der Umgebung: Aiguille du Tour, Aiguilles d'Orny, Aiguille Purtscheller oder für die Überschreitungen zur Ornyhütte beziehungsweise zur Albert-I.-Hütte auf der französischen Seite.
Mit dem Zug nach Chamonix, mit dem Bus ins Dorf Le Tour, je nach Saison mit der Seilbahn Grands Montets oder Charamillon, anschließend zu Fuß über die Albert-I.-Hütte und die Querung des Trient-Plateaus.
Von Champex-Lac über den Sessellift La Breya und die Ornyhütte, mit einer kurzen, gesicherten Kletterpassage kurz vor der Hütte.
Steigeisen, Eispickel und Sicherungsmaterial sind für die Gletscherquerung auch im Juli unverzichtbar. Der weiche Schnee am Ende des Tages kann den Abstieg über den Gletscher anspruchsvoller machen als erwartet.
Für Touren in großer Höhe sind die LAGOPEYE CAT4-Sonnenbrillen unverzichtbar: In über 3.000 Metern Höhe ist zwischen der Reflexion auf dem Trient-Gletscherplateau und der direkten Sonneneinstrahlung am Grat ein Glas der Kategorie 4 keine Option. Und für die textile Ausrüstung im Hochgebirge vereint die Lagoped-Alpinismuskollektion in Europa gefertigte Teile ohne PFAS aus 100 % recycelten Materialien.